Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:








Top-15

meist-diskutiert

  1. Segnen geht anders
  2. Kardinal Müller: „Die sogenannte Interkommunion zementiert die Kirchenspaltung“
  3. US-Berater Fauci meint: Geistliche sollen Gläubige von Covid-Impfung überzeugen
  4. Vatikan für Zurückhaltung in US-Debatte um Kommunionempfang
  5. Die Krise: ein Weckruf an die Menschheit
  6. Franziskus von "konservativen Kräften" gefangen?
  7. 1521 – 2021: zur Klärung der Begriffe. Schisma und Häresie
  8. "Bischof" darf nicht zum Schimpfwort werden!
  9. Die Glaubenskongregation ist Stellvertretungsorgan des Papstes
  10. Was steckt eigentlich hinter dem ›Gender-Sternchen‹?
  11. China: Kein Zugang mehr zu Bibel-Apps und christlichen WeChat-Accounts
  12. Maria 1.0 ruft deutsche Bischöfe zur Einheit mit Rom auf
  13. Frankreichs Bildungsminister verbietet Gendern an Schulen
  14. Gewalt gegen Israel
  15. USA unter Biden steigen aus Lebens- und Familienschutzerklärung aus

Ja zum Gesetz der Gradualität, doch Nein zur Gradualität des Gesetzes

9. Oktober 2014 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Johannes Paul II. wiederholte die Worte von Paul VI.: „In keinem Punkte Abstriche an der Heilslehre Christi zu machen, ist eine hohe Form seelsorglicher Liebe.“ Ein Gastkommentar des Moraltheologen Josef Spindelböck


St. Pölten (kath.net) Bei der vom 5.-19. Oktober 2014 im Vatikan stattfindenden Sondersynode über „die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ können die Teilnehmer in offener und freier Aussprache ihre jeweilige Sichtweise vortragen. In den offiziellen Verlautbarungen, welche vom Vatikanischen Pressebüro verbreitet werden, finden sich Auszüge aus den Stellungnahmen der Redner, jedoch ohne namentliche Zuordnung der Beiträge. Mitunter ist in den Synodenbeiträgen, aber auch in darauf bezogenen Presseberichten und Reflexionen die Rede vom „Gesetz der Gradualität“, welchem die Pastoral der Kirche verstärkt folgen müsse. Worum geht es hier?

Im Prinzip handelt es sich um das stufenweise Wachstum im Guten bzw. um die stufenweise Bekehrung. Für jeden Seelsorger, der in der Nachfolge des Guten Hirten die Seinen kennt und liebt, ist dies eine Selbstverständlichkeit: Als Menschen im Pilgerstand dieses irdischen Lebens sind wir nicht vollkommen. Wir sollen im Guten wachsen und reifen und erfahren uns angesichts der täglichen Herausforderungen immer wieder als schwache, sündige Menschen. Doch wer den guten Kampf täglich neu aufnimmt, darf mit der Hilfe der Gnade Christi rechnen, der uns liebt und begleitet. Der verständige Seelsorger wird darum jene Menschen, die sich um das Gute mühen, nicht anklagen, sondern ermutigen. Gerade der regelmäßige Empfang des Bußsakraments wird ihnen helfen, sich immer neu an der Wahrheit Christi auszurichten und nach der Vollkommenheit der Liebe, also nach wahrer Heiligkeit zu streben.

Nun könnte jedoch jemand auf die Idee kommen und sagen: „Die Anforderungen sind einfach zu hoch; wir müssen die Latte niedriger setzen. Nur dann werden die Menschen in der Lage sein, die kirchlichen Vorgaben zu erfüllen.“ Konkret schlagen manche jetzt tatsächlich vor, die Kirche solle die im Zusammenhang von Ehe und Familie geltenden sittlichen Normen an die Lebenswirklichkeit der Menschen „anpassen“, um so die oft erkennbare Kluft zwischen Lehre und Leben zu überwinden. Als konkrete Beispiele werden genannt: unverheiratet zusammenlebende Paare, Empfängnisverhütung, geschiedene und zivil wiederverheiratete Paare, Personen in homosexuellen Lebensgemeinschaften.


Aber Vorsicht! Wer so denkt und argumentiert, folgt nicht der anfangs beschriebenen Anerkennung eines Gesetzes der Gradualität, sondern erliegt der Versuchung das Gesetz Gottes, also seine Gebote zu relativieren, d.h. eine Gradualität des Gesetzes einzuführen. Der heilige Johannes Paul II., der große Papst der Familie, hat in seinem nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Familiaris consortio“ anerkannt, dass der Mensch „das sittlich Gute auch in einem stufenweisen Wachsen“ vollbringt und auch die Eheleute auf einen solchen Weg gerufen sind, „getragen vom aufrichtig suchenden Verlangen, die Werte, die das göttliche Gesetz schützt und fördert, immer besser zu erkennen, sowie vom ehrlichen und bereiten Willen, diese in ihren konkreten Entscheidungen zu verwirklichen. Jedoch können sie das Gesetz nicht als ein reines Ideal auffassen, das es in Zukunft einmal zu erreichen gelte, sondern sie müssen es betrachten als ein Gebot Christi, die Schwierigkeiten mit aller Kraft zu überwinden.“ (FC 34) Um dem angeführten Missverständnis entgegenzutreten, stellte Johannes Paul II. anschließend fest, wobei er sich auf seine Homilie zum Abschluss der VI. Bischofssynode am 25.10.1980 bezog: „Daher kann das sogenannte ‚Gesetz der Gradualität‘ oder des stufenweisen Weges nicht mit einer ‚Gradualität des Gesetzes‘ selbst gleichgesetzt werden, als ob es verschiedene Grade und Arten von Gebot im göttlichen Gesetz gäbe, je nach Menschen und Situationen verschieden. Alle Eheleute sind nach dem göttlichen Plan in der Ehe zur Heiligkeit berufen, und diese hehre Berufung verwirklicht sich in dem Maße, wie die menschliche Person fähig ist, auf das göttliche Gebot ruhigen Sinnes im Vertrauen auf die Gnade Gottes und auf den eigenen Willen zu antworten."

Es wird also in der Pastoral der Kirche nicht darum gehen können, die Lehre in falscher Barmherzigkeit anzupassen, sondern die jeweiligen Möglichkeiten der Menschen zum sittlichen Wachstum und zur Erfüllung der Gebote zu berücksichtigen und sie genau hierin zu begleiten und zu unterstützen, ohne die Sünde jemals gutzuheißen. Zum Abschluss nochmals die Worte Johannes Pauls II.: „Deswegen hört die Kirche niemals auf, aufzurufen und zu ermutigen, die eventuellen ehelichen Schwierigkeiten zu lösen, ohne je die Wahrheit zu verfälschen oder zu beeinträchtigen. Sie ist nämlich davon überzeugt, dass es zwischen dem göttlichen Gesetz, das Leben weiterzugeben, und jenem, die echte eheliche Liebe zu fördern, keinen wirklichen Widerspruch geben kann (vgl. GS 51). Darum muss die konkrete pastorale Führung der Kirche stets mit ihrer Lehre verbunden sein und darf niemals von ihr getrennt werden. Ich wiederhole deshalb mit derselben Überzeugung die Worte meines Vorgängers: ‚In keinem Punkte Abstriche an der Heilslehre Christi zu machen, ist eine hohe Form seelsorglicher Liebe.‘ (Paul VI., Enzyklika Humanae vitae, Nr. 29)“ (FC 33).

Dr. Josef Spindelböck ist Mitglied der Gemeinschaft vom heiligen Josef und Priester der Diözese St. Pölten. Er unterrichtet als ordentlicher Professor für Moraltheologie und Ethik an der Phil.-Theol. Hochschule der Diözese St. Pölten sowie als Gastprofessor am Internationalen Theologischen Institut für Ehe und Familie in Trumau.

Dr. Josef Spindelböck - Liebe und Verantwortung

kath.net-Lesetipp
Christlich glauben und leben
Ein Leitfaden der katholischen Moral
Von Josef Spindelböck
Hardcover
112 Seiten, 2010 St. Josef
ISBN 978-3-901853-19-7
Preis 8.90 EUR

Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:

- Link zum kathShop

- Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus:

Für Bestellungen aus Österreich und Deutschland: [email protected]

Für Bestellungen aus der Schweiz: [email protected]
Alle Bücher und Medien können direkt bei KATH.NET in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Christlicher Medienversand Christoph Hurnaus (Auslieferung Österreich und Deutschland) und dem RAPHAEL Buchversand (Auslieferung Schweiz) bestellt werden. Es werden die anteiligen Portokosten dazugerechnet. Die Bestellungen werden in den jeweiligen Ländern (A, D, CH) aufgegeben, dadurch entstehen nur Inlandsportokosten.

Vortrag Dr. Josef Spindelböck: Liebe und Verantwortung



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 philomena58 9. Oktober 2014 
 

@Stefan Fleischer

Schöner Spruch, von wem ist der?


2

0
 
 Stefan Fleischer 9. Oktober 2014 

In meiner Sprüchesammlung steht:

Gott weiss sehr genau, was wir nicht können. Dafür hat er ein grenzenloses Verständnis. Er weiss aber auch ganz genau, was wir können. Und das erwartet er in jedem Fall von uns.


6

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Bischofssynode

  1. Priester zu Amazonien-Synode: Indigene wurden instrumentalisiert
  2. Nächste Bischofssynode im Herbst 2022: Thema noch offen
  3. ‚Hoffen wir, dass Papst Franziskus das Abschlussdokument zerreißt’
  4. ‚Hoffen wir, dass Papst Franziskus das Abschlussdokument zerreißt’
  5. Mexikanischer Bischof meint: Pachamama-Ehrung ist keine Götzenanbetung
  6. Die heidnische Bedeutung der Zeremonie in den Vatikanischen Gärten
  7. Abschlussmesse der Synode: Schale als Symbol für Pachamama?
  8. Wallner gegen pantheistische Darstellung von Muttergottheiten
  9. Wurden die Pachamama-Statuen wirklich aus dem Tiber gerettet?
  10. Amazonassynode und evangelikale/pfingstliche Gruppen








Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net-Gewinnspiel 2021: Gewinnen Sie eine ROMREISE!
  2. „Alle Reformen der Kirche werden kein Heil bringen!“
  3. Segnen geht anders
  4. Osterspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre Hilfe!
  5. Maria 1.0 ruft deutsche Bischöfe zur Einheit mit Rom auf
  6. "Kraft apostolischer Vollmacht errichte ich den laikalen Dienst des Katecheten"
  7. 1521 – 2021: zur Klärung der Begriffe. Schisma und Häresie
  8. Priesterweihen mit Erzbischof Gänswein und Kardinal Koch
  9. Franziskus von "konservativen Kräften" gefangen?
  10. Was steckt eigentlich hinter dem ›Gender-Sternchen‹?
  11. Kardinal Müller: „Die sogenannte Interkommunion zementiert die Kirchenspaltung“
  12. "Biedern Sie sich nicht der Welt und ihren falschen Wegen an!"
  13. Sonst kann jeder tun, was ihm entspricht
  14. Erzbischof Gänswein weiht Priester in Altötting
  15. Die Glaubenskongregation ist Stellvertretungsorgan des Papstes

© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz