Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Antwerpens Bischof Bonny droht jetzt dem Papst
  2. Vatikan genehmigte 2025 in 34 Diözesen die Feier der Alten Messe in Pfarrkirchen
  3. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  4. Zehn Jahre ‚Amoris laetitia‘ – Die Kunst, eine Lehre zu ändern, ohne sie zu ändern
  5. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  6. Tschechischer Bischof Holub meint: Neuer Ritus ist 'wesentlich' für Synodalität
  7. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  8. 25 Jahre KATH.NET: Kardinal Müller wird Schirmherr, Peter Seewald journalistischer Berater!
  9. Papst versetzt umstrittenen Kurienkardinal Gambetti vom Petersdom in die Provinz
  10. Bischöfe beauftragen Familien als Missionare
  11. US-Diözese führt Rosenkranzwochenende ein
  12. „Meine Lieben! Darum soll der Rosenkranz nicht vergessen auf dem Boden einer Schublade liegen“
  13. ‚Der Segen für Marie-Garance war auch ein Segen für ihre biologischen Eltern‘
  14. Das Houellebecq-Szenario: Wenn die politische „Mitte“ die Ränder großfüttert
  15. Papst Leo: 'Ehe offenbart etwas von Gottes Geheimnis'

Medizin-Ethiker warnt vor industriellem Denken in Spitälern

10. Februar 2015 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Giovanni Maio, bioethischer Berater der Deutschen Bischofskonferenz, kritisiert Kostendruck in Richtung "Durchschleusen von kranken Körpern", dem eine "Salonfähig-Werden der inneren Teilnahmslosigkeit" folgen könnte.


Linz (kath.net/KAP) Vor einer Entwicklung, in der sich die Medizin immer mehr vom Patienten weg bewegt und dieser gleichsam "zum Gegenstand" wird, hat der international renommierte Medizin-Ethiker Giovanni Maio (Foto) gewarnt. Wenn "industrielles Denken" in Spitäler einkehrt, bedeute dies, dass der Kostendruck der Krankenhausträger auf die Ärzte abgewälzt wird, sagte Maio bei einem Vortrag an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität (KTU) in Linz, den die KTU in einer Aussendung am Montag zusammenfasste. Es komme dann dazu, "dass sich Krankenhäuser vielfach Ärzte aussuchen, mit denen sie gute Zahlen machen können".

Maio plädierte in seinem Vortrag zum Thema "Medizin im Spannungsfeld von ärztlichem Heilen, Machbarkeit und Ökonomie" für mehr Zeit und Aufmerksamkeit für Patienten. Rund 200 Gäste, darunter das "Who is who" der Linzer Ärzteschaft, waren zum Vortrag an die KTU Linz gekommen. Der aus Italien stammende Ordinarius an der Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ist seit 2010 bioethischer Berater der Deutschen Bischofskonferenz und veröffentlichte zuletzt das Buch "Mittelpunkt Mensch. Ethik in der Medizin".


Bei Spitalsreformen sei oft davon ausgegangen worden, die Medizin könne genauso wie industrielle Prozesse strukturiert werden. "Leider der falsche Ansatz", meinte Maio. Seiner Ansicht nach erfahren junge Mediziner mitunter bei Dienstantritt in einem Spital, dass Sorgfalt als potentielle Verschwendung gelte. Belohnt werde der, der möglichst viele Patienten durchschleuse. "Junge Ärzte kommen mit guten Dispositionen - und sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, den Betrieb aufzuhalten. So wird Medizin reduziert auf den Vollzug." Maio sprach wörtlich von einem "Salonfähig-Werden der inneren Teilnahmslosigkeit". Leidtragende seien die Patienten, für die nicht mehr genug Zeit aufgewendet werden könne.

Der Medizinethiker forderte einen Kurswechsel in eine Richtung, in der Medizin als Fürsorge für den Menschen betrachtet wird. Ärzte bräuchten Zeit - und Autonomie, um über diese zu verfügen: "Die Heilkräfte wissen selbst am besten, was gut für den Menschen ist." Zu forcieren sei eine "Medizin des Sprechens", in der Ärzte ihre dialogische Kompetenz einsetzen, um Verunsicherung beim Patienten zu vermeiden.

Vertrauen im Verhältnis von Patient und Arzt basiere auf mehr als auf Sachkenntnis, unterstrich Maio. Notwendig sei Begegnungszeit statt einem "Durchschleusen von kranken Körpern". Letztlich könne man als Mediziner nur helfen, wenn man Kranken gegenüber Wertschätzung zum Ausdruck bringt. Anstelle von Gleichgültigkeit gelte es spürbar werden zu lassen: "Du bedeutest uns etwas. Es ist gut, dass Du lebst."

Medizinethiker Prof. Giovanni Maio – Gesundheit als Pflicht?


Copyright 2015 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Foto Maio © Albert-Ludwigs-Universität Freiburg


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Medizin

  1. Großbritannien: Vierjähriger überlebt Beendigung lebenserhaltender Maßnahmen
  2. Kamerun: Pflanzliche Heilmittel gegen Corona zeigen Erfolg
  3. Coronavirus: Kardinal Burke gegen Impfpflicht
  4. China: Mann nach fünf Jahren aus dem Wachkoma zu sich gekommen
  5. Anmerkungen zu den Aussagen von Papst Franziskus über Transsexuelle
  6. Pränataler Test ‚entmenschlicht’ Ungeborene mit Down-Syndrom
  7. Umstrittene Werbekampagne für 'Traumbusen'
  8. Nicht zu sorglos mit der 'Pille danach' umgehen
  9. Ärzteverbände: Schweigepflicht steht zu Recht unter Schutz
  10. Vatikan fordert Lockerung des Patentschutzes für Medikamente







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Warum der Todestag des Franz von Assisi nicht sein Gedenktag ist
  3. Wo der Mensch nicht berechenbar ist
  4. Wenn das Nein nicht mehr zählt
  5. USA: Frauen klagen Planned Parenthood wegen Druck in Richtung Abtreibung
  6. Ist der Islam ‚eine alternative Form des byzantinischen Christentums‘?
  7. Erschütterndes Historiendrama: Netflix-Serie „Fauda“ verarbeitet den Terror des 7. Oktober
  8. Muslimische Organisation: ‚In 45 Jahren wird Frankreich wieder katholisch‘
  9. Frankreichs neue „Generation Leo“: Warum die Jugend plötzlich wieder zum Papst strömt
  10. „Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen“ (Psalm 91)
  11. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft
  12. Die Deutsche Bischofskonferenz will keine 'Demontage' des deutschen Staatsfunks
  13. Thérèse von Lisieux und die ‚Süßigkeit‘ eines Buches über die Apokalypse
  14. Gesetzesvorschlag zum Verbot von Konversionstherapien in Nordirland ist ‚gefährlich‘
  15. Frankreich: Über 23 Millionen Seher verfolgten die Reise von Papst am Bildschirm

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz