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‚Ich zeige mich mit meinen Narben und Pflastern‘

19. April 2015 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Nach Säureanschlag lebt Priester aus Sansibar in Deutschland, bereits dritter Anschlag auf einen Priester: Islamischen Terrorgruppe «Uamsho» übergossen Father Anselmo mit Säure. Therapeutische Hilfe in Deutschland. - Von Nina Krüsmann (KNA).


Paderborn/Aachen (kath.net/ KNA)
Ein Auto ist momentan der größte Wunsch von Father Anselmo Mwang'Amba. Aber dem 66-jährigen Priester von der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar geht es dabei keineswegs um ein Statussymbol. Für ihn bedeutet ein Auto vielmehr Mobilität und Sicherheit bei seiner Arbeit. Denn sein zweiter Herzenswunsch ist es, möglichst bald wieder den notleidenden Kindern und Jugendlichen in seiner Heimat beizustehen. Das allerdings dauert noch einige Monate. Denn Father Anselmo muss eine Verletzung auskurieren: Er wurde Opfer eines Säureanschlags.

Momentan unterzieht sich der Geistliche medizinischen Behandlungen in Deutschland. Als das Attentat geschah, am 13. September 2013, hatte er gerade ein Internetcafe in der Stadt Stone Town auf der Insel Sansibar verlassen. «Ich erlitt Verbrennungen im Gesicht, an beiden Armen und an der Brust. Oberkörper und Gesicht wurden entstellt», beklagt der Priester. Die Täter, die der islamischen Terrorgruppe «Uamsho» zugeordnet werden, konnten unerkannt fliehen. Es war dort bereits der dritte Anschlag auf einen Priester.


Father Anselmo wurde zunächst in Indien operiert, da auf Sansibar solche Eingriffe nicht möglich sind. Weil der Heilungsprozess Komplikationen aufwies, wurde der Seelsorger im Herbst 2014 nach Deutschland gebracht, wo er im Klinikum der Stadt Soest eine Therapie begann. Bis zum Frühsommer 2015 bleibt Father Anselmo zu weiteren Behandlungen in der zum Erzbistum Paderborn gehörenden Vikarie in Kirchwelver, wo er mit Pastor Andre Aßheuer und mehreren indischen Priestern in einer internationalen Priestergemeinschaft zusammenlebt. «Ich erhalte sogar Deutschunterricht», erzählt er und gibt lächelnd seine ersten Kenntnisse preis.

Überhaupt strahlt dieser Mann Optimismus und Lebensfreude aus – trotz seines schlimmen Schicksals. Aktuell stehen noch aufwendige Operationen an Augen und Zähnen an. Die Kosten übernimmt das Internationale Katholische Hilfswerk missio in Aachen.

Father Anselmo ist dankbar für die Unterstützung, die er in Deutschland erhält. «Den Kontakt ermöglicht hat mein langjähriger Freund und Kooperationspartner Guido Korzonnek», erzählt er. In den vergangenen Monaten begegnete er Bundespräsident Joachim Gauck. Und im Januar hatte er eine Privataudienz bei Papst Franziskus. «Dieses Gespräch hat mich sehr beeindruckt. Der Glaube hat mich durch die schwerste Zeit meines Lebens gelenkt. Jesus, der selbst am Kreuz gelitten hat, hat mir geholfen und mir Kraft geschenkt», so Father Anselmo.

Sein großes Anliegen ist es, im Erzbistum Paderborn und überhaupt in Deutschland Christen zu begegnen. «Von dem Verbrechen, das an mir verübt wurde, möchte ich nicht schweigen. Ich habe keine Scheu, mich mit meinen Narben und Pflastern zu zeigen», sagt der Geistliche, der momentan Gemeinden, Schulen und andere Einrichtungen besucht und Vorträge hält. «Auf der Insel Sansibar leben unter den eine Million Einwohner nur rund 20.000 Katholiken. Es gibt circa 98 Prozent Moslems.»

Sansibar, ein touristischer Hotspot, ziehe Besucher aus aller Welt an. Der Tourismus sei für seine Landsleute eine wichtige Einkommensquelle, so der Geistliche. «Die Touristen sind sicher, aber die der Kirche Nahestehenden nicht.» Father Anselmo weiß, dass er künftig vorsichtig sein muss, denn die Attentäter sind nicht bekannt.


Sein Alltag soll aber auch künftig darin bestehen, armen Kindern und Familien auf Sansibar zu helfen. «Ich kümmere mich um Waisen, möchte ein Haus für alleinerziehende Mütter aufbauen», erzählt der engagierte Katholik. Täglich sieht er in seiner Heimat das Leid der Menschen in der Tagesklinik in Kintope, besucht die Mädchen und Jungen im örtlichen Kindergarten. Ihnen Bildung, Schutz und die Perspektive auf eine glückliche Zukunft zu schenken, ist sein Traum. «Ich fühle mich nicht mehr so unbeschwert und frei wie früher, wenn ich nach Tansania zurückkehre. Aber ich freue mich, wenn ich endlich meine Arbeit fortsetzen kann.» Und er betet für die Attentäter, die ihn beinahe getötet haben.

(C) 2015 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Jegliche mediale Nutzung und Weiterleitung nur im Rahmen schriftlicher Vereinbarungen mit KNA erlaubt.


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