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Der Zölibat und das Märchen vom Priestermangel

1. November 2019 in Spirituelles, 2 Lesermeinungen
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Die Zölibatsdiskussion sind Ausdruck einer Geistlosigkeit. Wenn die Kirche der Versuchung widersteht, den Zölibat abzuschaffen, gibt es wieder einen Aufschwung bei den Priesterberufungen. Ein Gastkommentar von Ignaz Steinwender


Salzburg (kath.net)
Derzeit gibt es viele Schlagzeilen von der Amazonassynode. Bischöfe, so heißt es zum Beispiel, verlangen Priesteramt für verheiratete Männer. In der Zölibatdiskussion, die auf eine lange Tradition (im Grunde genommen seit dem Beginn) zurückgeht, wird sehr häufig der Priestermangel als Ursache für die Forderung nach verheirateten Priestern angeführt.

Am Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in deutschen Diözesen wie z. B. in Baden Zölibatsstürme und Antizölibatsvereine. Professoren wandten sich 1828 an den Bischof und verlangten eine Aufhebung des Zölibates u. a. mit der Begründung, dadurch könne man den Priestermangel beheben. Der Theologe Adam Möhler hat sich tiefgreifend mit dieser Frage auseinandergesetzt und festgestellt, dass die Begründung dieser Forderung mit dem Priestermangel nicht stichhaltig sei. Er meinte, dass die Professoren durch ihre Geistlosigkeit (die Zölibatsdiskussionen sind auch Ausdruck dieser Geistlosigkeit) Verursacher des Priestermangels seien. Die Professoren beklagten einen Zustand, an dessen Zustandekommen sie ursächlich beteiligt waren. Möhler verfasste eine „Beleuchtung der Denkschrift“, in der er auf den biblischen Ratschlag einging, den Zölibat in der Alten Kirche und äußere Einflüsse heidnischen, jüdischen und gnostischen Ursprunges betrachtete. Im Abschnitt „Theologie des Zölibates“ geht Möhler auf die Freiheit des Einzelnen und der Kirche, den Sieg über Natur und den Sieg über den Zeitgeist ein.


Möhlers fundierte Ausführungen über den Zölibat veranlassten ihn zu der Ansicht, dass es wieder viele Priesterberufungen geben werde, wenn die Kirche in der Zölibatsdiskussion klar bleibe, den Versuchungen des Zeitgeistes widerstehe und generell am Zölibat festhalte. Seine Vorhersage ging in Erfüllung. Die Kirche ließ sich nicht vom Meinungsdruck beeinflussen, hielt stand, und es gab in der Folge wieder einen großen Aufschwung bei Priesterberufungen.

Die Ausführungen von Adam Möhler sind als Buch 2011 erschienen und können im Internet (Johann Adam Möhler, Vom Geist des Zölibates, Hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Dieter Hattrup) nachgelesen werden.

In diesem Zusammenhang sind auch die Ausführungen des Heiligen Johannes Chrysostomus zum Tagesevangelium vom 29. Oktober über den Sauerteig interessant (Lk 13,18-21).

Der Herr erzählt dann das Gleichnis vom Sauerteig. „Wie der Sauerteig seine unsichtbare Kraft an die ganze Teigmasse weitergibt, so wird die Kraft des Evangeliums durch den Dienst meiner Apostel die ganze Welt verwandeln […] Sagt mir nicht: ‚Was können wir tun, wir zwölf elenden Sünder, angesichts der ganzen Welt?‘ Genau darin besteht der enorme Unterschied zwischen Ursache und Wirkung: der Sieg einer Handvoll Männer gegenüber der Menge ist es, der den Glanz eurer Macht aufstrahlen lässt. Verwandelt nicht der Sauerteig die ganze Masse dadurch um, dass man ihn – wie das Evangelium sagt – dem Teig untermischt, ihn darin geradezu versteckt? So werdet ihr, meine Apostel, indem ihr euch unter die Völkermassen mengt, diese mit eurem Geist durchdringen und über eure Gegner triumphieren. Während der Sauerteig in der Masse verschwindet, verliert er nicht seine Kraft. Im Gegenteil, er verändert die Natur des gesamten Teiges. So wird eure Verkündigung alle Völker verändern. Seid also voller Zuversicht“ […]

Christus ist es, der dem Sauerteig eine solche Kraft gibt […] Macht ihm also nicht zum Vorwurf, seine Jünger seien zu gering an Zahl: Es ist die Kraft der Botschaft, die groß ist […] Ein Funke genügt, um einige trockene Holzscheite in eine Feuersbrunst zu verwandeln, die dann sogar das ganze grüne Holz rings umher entzündet. (Hl. Johannes Chrysostomus, Priester in Antiochia und später Bischof von Konstantinopel, Kirchenlehrer)

Ignaz Steinwender ist Pfarrer und Dekan im Zell am Ziller in der Erzdiözese Salzburg



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