Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht Bruch, sondern lebendige Tradition - Wider den Missbrauch der Liturgiereform
  2. Kard. Sarah: „Die Abneigung gegen Latein und Gregorianik wird mit der 68er-Generation verschwinden“
  3. Rom sollte in Deutschland endlich Bischöfe einsparen und Bistümer zusammenlegen!
  4. Papst Leo: „Die Welt durchlebt eine besonders unruhige Phase“
  5. Die Hölle, eine verschwiegene Wahrheit
  6. Die umstrittene Synodalkonferenz der Kirche in Deutschland wurde leise abgesagt
  7. Papst äußert sich skeptisch zu fundamentalen Risiken der KI
  8. ‚Tritt hinter mich!’ Der Weg des Messias führte über das Kreuz
  9. US-Diözesen mit ungewöhnlich hoher Zahl an Priesterweihen
  10. Caroline Bosbach: „Linkspartei erklärt evangelikale Christen zum Feindbild“
  11. Polnischer Primas in Jasna Góra: „Recht auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod“
  12. „Synodalität wird den Katholizismus zerstören“
  13. Ist ein linker Punksänger klüger als Bischof Feige?
  14. „Es gibt keinen notwendigen Widerspruch zwischen Synodalität und Tradition“
  15. R.I.P. Dolly Parton

Türkei: Wird die Hagia Sophia wieder zur Moschee?

20. Mai 2020 in Interview, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Über die Hintergründe hat Christophe Lafontaine vom weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ mit dem französischen Historiker und Türkei-Experten Etienne Copeaux gesprochen.


München (kath.net/KIN)

Die Hagia Sophia in Istanbul war einst das Zentrum des byzantinischen Christentums, bevor sie in eine Moschee und dann in ein Museum umgewandelt wurde. In dieser ehemaligen Kathedrale erklang Ende März erneut der Ruf des Muezzins zum Gebet. Dies war bereits das zweite Mal in der jüngeren Vergangenheit: 2016 war nach 85-jähriger Unterbrechung der islamische Gebetsruf in der Basilika zu hören.

 

Über die Hintergründe hat Christophe Lafontaine vom weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ mit dem französischen Historiker und Türkei-Experten Etienne Copeaux gesprochen. Copeaux war unter anderem Mitarbeiter des Französischen Instituts für anatolische Studien in Istanbul und setzt sich in einem Blog mit den Entwicklungen in der Türkei auseinander.

 

Christophe Lafontaine: Wie ist die Forderung der Muslime zu erklären, in der Hagia Sophia zu beten?

 

Etienne Copeaux: Die Forderung ist bereits seit den Feierlichkeiten zur 500. Jahrestag der Einnahme von Konstantinopel im Jahr 1953 stark gegenwärtig. Anlässlich der Einnahme der Stadt im Jahr 1453 feierte der Sultan den Sieg in der Hagia Sophia und wandelte diese in eine Moschee um. Diese Geste machte die Basilika zu einem Symbol des Islam. Atatürk, der Gründer und erste Präsident der türkischen Republik, hat 1934 entschieden, die Hagia Sophia zu säkularisieren und sie in ein Museum zu umzuwandeln.


 

Stellt die Frage des muslimischen Gebetes in der Hagia Sophia eine Zurückweisung der von Atatürk gewollten Laizität dar?

 

Etienne Copeaux: Das Gedenken im Jahr 1953 fand in einer anti-laizistischen Periode statt, unter der Regierung von Adnan Menderes, der erklärte: „Die türkische Nation ist muslimisch.“ Diese Aussage wurde zum Lieblingsslogan der extremen Rechten in der Türkei.

 

Als der politische Islam von 1996 bis 1997 wieder an die Macht kam, versprach Premierminister Necmettin Erbakan, die Basilika dem Islam zurückzugeben. Er blieb nicht lange genug an der Macht, um diesen Plan zu verwirklichen. Zur selben Zeit war Recep Tayyip Erdogan Bürgermeister von Istanbul und formulierte dieselben Absichten. Doch er wurde 1998 durch die Armee abgesetzt und sogar wegen „Verletzung der Laizität“ inhaftiert.

 

2018 rezitierte Präsident Erdogan Koranverse in der Hagia Sophia und erklärte im März 2019, er wolle sie wieder in eine Moschee umwandeln. Steht der erneute Gebetsruf vom März dieses Jahres damit im Zusammenhang?

 

Etienne Copeaux: Ich meine, dass viele Maßnahmen, die Erdogan seit 2002 getroffen hat, zum einen ein politisches Ziel haben, das 50 Jahre zurückreicht, und zum anderen als eine Rache für die Verletzung angesehen werden können, die ihm seine Absetzung 1998 zugefügt hat. So ist auch das Gebet vom vergangenen März in meinen Augen ein (für den Augenblick) bescheidenes Ergebnis eines langen Prozesses. Vor allem darf man das Regime von Erdogan nicht als einen Bruch betrachten, sondern es ist Teil einer langen national-islamischen Geschichte.

 

Wie können die Christen in der Türkei reagieren?

 

Etienne Copeaux: Die Christen in der Türkei, und vor allem die orthodoxe Bevölkerung, deren größter Teil 1914, 1955 und 1964 in Wellen ausgewiesen wurde, ist angesichts des von ihnen Erlebten extrem zurückhaltend. Die Reaktionen der Orthodoxie können in der Türkei nur über den offiziellen Weg des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel laufen. Aber der Erfahrung nach sind die Treffen zwischen dem Patriarchen und den türkischen Behörden oft sehr diplomatisch. Wird die griechische und russische Orthodoxie passiv bleiben, wenn die Basilika wie im Jahr 1453 der muslimischen Religionsausübung überlassen werden sollte? Angesichts des komplizierten Kontextes der Beziehungen mit Russland aufgrund des Syrienkonflikts ist das ziemlich unwahrscheinlich.

 

Foto: (c) pixabay


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Türkei

  1. Katholisch sein in Istanbul - Philip und Diana erzählen
  2. Erste fliegende Papst-Pressekonferenz: Lob für Vermittler Erdogan
  3. Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca wollte in Iznik mit Papst Leo reden
  4. Papst Leo XIV. in Ankara gelandet
  5. Erster Kirchen-Neubau in Türkei seit 100 Jahren eröffnet
  6. "Lasst uns weiterhin auf Gott und Seine heilige Vorsehung vertrauen"
  7. Erster Kirchen-Neubau in Türkei seit 100 Jahren vor Eröffnung
  8. Christlicher Missionar aus Türkei ausgewiesen
  9. Chalki-Wiedereröffnung: Orthodoxer US-Bischof appelliert an Erdogan
  10. Laschet verbietet der Presse Fragen zu „Ditib“






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Nicht Bruch, sondern lebendige Tradition - Wider den Missbrauch der Liturgiereform
  3. YouTube-Philosoph Joe Schmid: „Ich spüre eine Art magnetische Anziehungskraft des Katholizismus“
  4. Ist ein linker Punksänger klüger als Bischof Feige?
  5. R.I.P. Dolly Parton
  6. 'Ich möchte meinem Vater im Himmel danken'
  7. Die US-Diözese Salt-Lake-City verzeichnet jedes Jahr hunderte neue Mitglieder
  8. 'Weil die andere Option darin bestand, in der Hölle zu brennen, ewig an meinen Haaren aufgehängt.'
  9. Kiewer Großerzbischof Schewtschuk: "Wir bitten um Solidarität"
  10. Rom sollte in Deutschland endlich Bischöfe einsparen und Bistümer zusammenlegen!
  11. „Es gibt keinen notwendigen Widerspruch zwischen Synodalität und Tradition“
  12. Britische Regierung verweigert finnischer Abgeordneter Räsänen die Einreise
  13. Erfrischung für Rom: Als ein Papst die Piazza Navona unter Wasser setzte
  14. Polnische Salvatorianer boten Workshop für Ministrantendienst im klassischen Ritus an
  15. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz