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Ein Priesterseminar aus Wellblechhütten

17. April 2013 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Drei Jahre nach dem schweren Erdbeben auf Haiti sind die Lebens- und Ausbildungsverhältnisse der 158 Priesteramtskandidaten weiterhin dürftig - Regens des Priesterseminars schreibt einen Brief an „Kirche in Not“


Port-au-Prince (kath.net/KIN) Gut drei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti, bei dem mehr als eine Viertel Million Menschen ums Leben gekommen sind, ist auch die Priesterausbildung der katholischen Kirche des Landes langsam wieder von der größten Not befreit. Das schreibt der Regens des Priesterseminars "Grand Séminaire Notre-Dame" in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince, Pater Guy Boucicaut, in einem Brief an das weltweite katholische Hilfswerk "Kirche in Not". Die Lebens- und Ausbildungsverhältnisse seiner 158 Priesteramtskandidaten seien aber weiterhin noch dürftig.

Pater Boucicaut schildert, wie wenige Monate nach der Naturkatastrophe in Port-au-Prince eine Zeltstadt errichtet worden war, um den Ausbildungsbetrieb provisorisch wieder aufzunehmen. Die damaligen Probleme für Seminaristen und ihre Professoren schildert er mit den Worten: "Hitze tagsüber, Verlust der Privatsphäre und in der Regenzeit gab es vor lauter Schlamm auf den Wegen kein Vorwärtskommen mehr. Hinzu kamen unzählige Moskitos, denen wir hilflos ausgeliefert waren." Erleichtert zeigt sich der Regens daher über den im Januar dieses Jahres erfolgten Umzug der Seminaristen in Wellblechhütten. Diese seien im Vergleich zu den Zelten robuster gebaut und böten mehr Schutz vor der enormen Hitze.


Das Problem der fehlenden Privatsphäre bleibe aber bestehen. "Dafür ist kein Raum in diesen von fünf Seminaristen gleichzeitig bewohnten Hütten, obwohl ein gewisses Maß an Abgeschiedenheit für die persönliche Meditation unbedingt erforderlich ist", bedauert Pater Boucicaut. Er glaubt, dass das "Grand Séminaire Notre-Dame" erst dann wieder einen angemessenen Rahmen für die Priesterausbildung bieten könne, wenn eines Tages ein erdbebensicheres Seminargebäude errichtet werde. Den Ort dafür habe die haitianische Bischofskonferenz zwar schon bestimmt. "Aber wie lange wird es dauern, bis der geplante Wiederaufbau abgeschlossen sein wird?", fragt der Pater zweifelnd.

Trotz der geschilderten Probleme zieht er dennoch eine positive Bilanz der drei Jahre seit der Naturkatastrophe. "Die zurückliegenden Jahre haben sich als Gnadenzeit erwiesen", schreibt er. Die Priesteranwärter seien bei ihren Studien hoch motiviert gewesen, und die Zahl der Kandidaten sei gestiegen.

Bei dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010 kamen etwa 250 000 Menschen ums Leben, mehr als 1,2 Millionen wurden obdachlos. Unter den Todesopfern waren auch der Erzbischof von Port-au-Prince, Joseph Serge Miot, sein Generalvikar, drei weitere Diözesanpriester, 45 Ordensleute und 31 Seminaristen. Die Naturkatastrophe zerstörte großteils die pastoralen Strukturen des Karibikstaates. So lagen nach dem Beben allein in Port-au-Prince mehr als die Hälfte der dortigen Kirchen in Trümmern. Deswegen kam das Leben in den Pfarreien fast zum Erliegen. Außerdem sind viele Gläubige aus ihren Heimatpfarreien in weniger zerstörte Orte abgewandert oder haben in Lagern Zuflucht gesucht.

"Kirche in Not" leistete nach dem Erdbeben eine Soforthilfe von mehr als 1,9 Millionen Euro für die Kirche Haitis. Im Jahr danach unterstützte das Hilfswerk den Wiederaufbau mit weiteren 1,5 Millionen Euro. Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre und zählt zu den 30 ärmsten Ländern der Welt.

Weitere Informationen über das weltweite katholische Hilfswerk "Kirche in Not" sowie Spendenmöglichkeiten:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Provisorisches Priesterseminar (c) KIRCHE IN NOT


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