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Mahnende Erinnerung

4. November 2016 in Kommentar, 1 Lesermeinung
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„Wort des Bischofs“ zum Sonntag, 6. November 2016. Von Bischof Heinz Josef Algermissen (Bonifatiusbote)


Fulda (kath.net/Bonifatiusbote) Der emeritierte Bischof von Limburg zeigte mir vor einigen Jahren ein Bild, das ich nie vergessen habe: Es stellt einen kleinen Teil aus einer größeren Thorarolle dar, die beim schrecklichen Terror der Reichspogromnacht 1938, der wir am kommenden Mittwoch wieder gedenken, zerstört wurde. Nach der Verwüstung der Synagoge in einer deutschen Stadt hat damals ein 17-jähriger Jugendlicher im Respekt vor der Buchrolle, die den Juden heilig ist, diese beschädigten Ausschnitte von der Straße aufgenommen und aufbewahrt. Als Christ verspürte er Anteilnahme und Ehrfurcht.

Die geretteten Thorareste enthalten Worte des Alten Testamentes aus den ersten fünf Büchern der Bibel. Beim Gottesdienst in der jüdischen Synagoge wird die Thorarolle aus dem Schrein genommen und geöffnet, um daraus Gottes Wort zu verkünden. Die Ausschnitte, die wie Buchseiten hinter dem Glasrahmen des Bildes zu sehen sind, zeigen deutliche Spuren von Zerstörung. Der Text ist nur schwer zu entziffern. Und doch spricht aus dieser Schrift laute Mahnung. Bevor man überhaupt ein Wort identifiziert hat, begreift man: Wo Menschen so brutale Gewalt angetan wird, wie vor 78 Jahren geschehen, wird sie auch Gott angetan. Wo Gottes Wort mit Füßen getreten wird, wie die braunen Barbaren es damals getan haben, hat der Mensch entsetzlich zu leiden.


Der Blick auf diese Reliquie der Thora macht bewusst, was am Ende der Schriftrolle aus dem Mund des Mose im Buch Deuteronomium des Alten Testamentes zu lesen ist: „Heute beschwöre ich euch: Verpflichtet eure Kinder, dass auch sie auf alle Bestimmungen dieser Weisung achten und sie halten. Das ist kein leeres Wort, das ohne Bedeutung für euch wäre, sondern es ist euer Leben“ (Dtn 32,46-47).

Wo Menschen den Respekt vor Gott verlieren, geht auch die Achtung voreinander verloren. Für immer müssen die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht zur Mahnung dafür werden, dass wir nicht wegschauen dürfen. Denn mit der Stummheit vor der Geschichte wächst Gleichgültigkeit im Alltag, mit der eine Gottvergessenheit einhergeht, aus der am Ende brutale Menschenverachtung wird. Der Theologe Johann Baptist Metz spricht in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit einer „gefährlichen Erinnerung“.

Das Bild mit den Ausschnitten der Thorarolle von 1938 macht bewusst, wie sehr gerade uns Christen das Schicksal des jüdischen Volkes angeht. Die ersten fünf Bücher der Bibel, aus denen die beschädigten Worte kommen, erinnern an das Wort des Hl. Papstes Johannes Paul II., der der Kirche ins Gedächtnis und ins Herz geschrieben hat, dass die Juden unsere „älteren Geschwister im Glauben“ sind. Diese besondere Verwandtschaft bedeutet umso mehr Verpflichtung in der Anteilnahme und im Einsatz für eine wachsame Erinnerung.

Rabbi Abraham Skorka, persönlicher Freund von Papst Franziskus, zeigt Thorarolle, die 1938 von jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland gerettet wurde


Mein Boss ist ein jüdischer Zimmermann: Jesus - ישוע



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Lesermeinungen

 hortensius 7. November 2016 
 

Der Wahrheit die Ehre geben!

Wenn man schon an die Reichspogromnacht erinnert, so sollte man auch an die katholischen Opfer der NS-zeit erinnern. Auch hat Papst Pius XI schon am 25. MÄrz 1928 den Antisemitismus verurteilt. Am 7. Februar 1934 hat er die BIbel des Antisemitismus, Rosenbergs Müthus, auf den "Index der für Katholiken verbotenen Bücher" gesetzt. Wie viele Priester und Laien ins KZ kamen, weil sie Juden geholfen haben, wird in Predigten, im Religionsunterricht und in der Kirchenpresse totgeschwiegen. Das ist ein Fehler.


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