Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  3. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  4. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  5. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  6. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  7. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  8. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  9. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  10. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  11. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  12. Abtreibungsbefürworter begehen Farbanschlag auf Malteserklinikum in Flensburg
  13. Priester bei Messer-Attacke in polnischem Kloster getötet
  14. 'Kirche casht ab' - Immer weniger österreichische Katholiken, immer mehr Millionen!
  15. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris

Glettler warnt vor "aggressiver Abwehrhaltung" gegen Migranten

25. Oktober 2017 in Österreich, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Designierter Innsbrucker Bischof in "Tagespost"-Interview: Mehr Sorgen wegen leerer Kirchen als wegen voller Moscheen


Innsbruck-Würzburg (kath.net/KAP) Hermann Glettler, designierter Bischof der Diözese Innsbruck, hat in einem Interview mit der katholischen Zeitung "Die Tagespost" vor einer aggressiven Abwehrhaltung gegenüber Migranten gewarnt. Er kritisierte zudem die aktuelle Asylpolitik bzw. bewusst geschürte Ängste. An die Christen appellierte der Bischof, ihren eigenen Glauben wieder bewusst zu leben und auch im Dialog mit Muslimen begeistert von Christus zu sprechen.

Auf zunehmende Ängste und Ressentiments gegenüber "Fremden" und Andersgläubigen in Österreich angesprochen, meinte der Bischof, dass die Aufgabe der Kirche darin liege, "Zeugnis des Vertrauens und der Einheit zu geben - ohne Ängste kleinzureden oder mit Vorwürfen zu reagieren". Glettler: "Wir leben von der Zusage Jesu, dass er immer mit uns ist." Der "Kurzschluss" hin zu einem neuen "Kulturkampf" oder zum Aufbau einer aggressiven Abwehrhaltung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund erweise der Gesellschaft keinen guten Dienst. "Kirche muss Vertrauen vermitteln und wachsam sein, darf besorgniserregende Entwicklungen aber auch nicht verschlafen", so die Maxime des designierten Bischofs, der für mehr "geistliche Beweglichkeit" plädierte.

"Es gibt einen Anruf Gottes in unserer Zeit, der uns aus der Komfortzone eines zu eng gewordenen bürgerlichen Lebens herausruft", so Glettler. Angesichts von Migrationsbewegungen heiße das: "Nur Zäune hochziehen und Menschen zurückdrängen, die aus einer aussichtslosen Notlage kommen, wäre zumindest längerfristig keine Lösung, die dem Evangelium entspräche." Der Papst mahne immer wieder, all jene, die ihre Heimat verlassen mussten, mit offenen Armen zu empfangen. Natürlich braucht es aber ein "menschliches Augenmaß für das, was ein Land leisten kann und was nicht", räumte der Bischof ein.


Die Kirche sei diesbezüglich auch politisch, betonte Gletter: "Kirche ist mitten drinnen, unterstützt auch staatliche Strukturen, aber sie muss kritisch sein, wenn Aufnahmekapazität und Gastfreundschaft klein- oder schlechtgeredet werden." Am Anfang hätten sehr viele Menschen bei der Hilfe für Flüchtlinge mitgetan und Solidarität war allerorts erlebbar gewesen, "aber dann ist etwas gekippt - dieses Kippen ist meiner Meinung nach bewusst herbeigeredet worden". Auch dadurch, so Glettler, "dass man den Asylbewerbern keine Chance gegeben hat, sich rasch an der Mehrheitsgesellschaft mit einer sinnvollen Arbeit positiv zu beteiligen. Viel zu lange hat man sie zum Nichtstun verpflichtet. Jetzt redet man über den Arbeitsdienst."

Auf die Angst vieler Menschen vor dem Islam angesprochen, brachte der Bischof den schwindenden Glauben im Land ins Spiel: "Unsere westeuropäische Gesellschaft hat sich über Jahrzehnte den scheinbaren Luxus geleistet, geistliches Leben und Religion nicht wirklich ernst zu nehmen. Jetzt wird eine Religionsgemeinschaft, die bewusst und vital ihren Glauben lebt, zur gefühlten Bedrohung." Weit mehr Sorge als die vollen Moscheen würden ihm die leeren Kirchen bereiten, so Glettler: "Das Glaubenszeugnis der Muslime ist für uns Christen eine wichtige Herausforderung, unseren Glauben wieder bewusster und ohne Scheu zu leben. Wer oder was hindert uns daran, die Bibel vom Regal zu nehmen, sie abzustauben und aufzuschlagen?"

Freilich gebe es eine Spielart des Islam," vor dem sich Europa mit Recht fürchten sollte: ein salafistischer Islam, der mit einem eigenartigen Interesse von Saudi-Arabien nicht nur in alle nordafrikanischen Staaten und auf den Balkan exportiert wird, sondern auch bei uns in Westeuropa anzutreffen ist". Nicht fürchten müsse man sich aber vor der Mehrzahl der Muslime, "die ihren Glauben in einer friedliebenden Haltung leben". Man müsse hinsichtlich des Islam differenzieren, um nicht einerseits blauäugig zu werden und andererseits stereotype Negativschablonen zu bedienen.

Guter Umgang mit Muslimen

"Ein guter nachbarschaftlicher Umgang gibt den Muslimen die Chance, ihren Glauben ohne Legitimationszwang zu leben und sich dadurch selbst von allen fundamentalistischen Versuchungen zu distanzieren", zeigte sich der Bischof überzeugt. Wichtig sei, "dass Muslime uns Christen als gläubige, freundliche, offene und couragierte Bürger erleben". Einige Muslime, die sich nun auf die Taufe vorbereiten, hätten ihm zu verstehen gegeben, dass eine solche Haltung für ihre Entscheidung zur Konversation ausschlaggebend gewesen sei.

Hinsichtlich der Konversion von Muslimen betonte der Bischof, dass es in keinster Weise darum gehe, Andersgläubige von ihrer Religion abzuwerben, "schon gar nicht mit unlauteren Mitteln". Dazu würde es etwa gehören, "den Glauben des anderen schlecht zu machen, gesellschaftlichen Druck aufzubauen oder keine Möglichkeiten für die Religionsausübung zur Verfügung zu stellen".

Ein lauteres Mittel sei freilich das authentische Lebenszeugnis von Christen. "Es sollte in unserer Lebenspraxis sichtbar werden, was der Grund unserer Hoffnung ist, die uns erfüllt", so der Bischof. Im Dialog mit Muslimen sei es durchaus redlich, "begeistert von Jesus zu sprechen - und zwar nicht nur als Propheten. Jesus ist nach unserer Überzeugung der Bruder aller Menschen und zugleich auch Gott." Es wäre fatal, "wenn wir das Christusbekenntnis im interreligiösen Dialog zurücknehmen würden". Trotzdem sei es wichtig und sinnvoll, in diesem Dialog in allen Begegnungen "zuerst das zu betonen, was uns verbindet".

Heilige Messe und Sonntagskultur

Im Blick auf seine künftige Diözese Innsbruck sprach Glettler von viel "Wunderbarem", das er in der Diözese schon kennenlernen konnte. "Ich möchte in Zukunft Gemeinden, Pfarren und kleine Zellen christlicher Lebensgemeinschaften ermutigen, dass sie alles, was ihrem Charisma entspricht, möglichst leidenschaftlich und liebevoll tun", so der designierte Bischof wörtlich. Große Bedeutung lege er auf eine lebendige Feier der Heiligen Messe und auf eine Sonntagskultur, "in der es auch eine Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit für Menschen gibt, die nur selten zur Kirche kommen".

Zu seiner Vision gehört es auch, "dass es in den alten Klöstern neue Gemeinschaften gibt, in denen etwas von der ewigen Jungkraft des Evangeliums Gestalt angenommen hat - vielleicht ohne ewige Gelübde, aber mit viel Kreativität, Inspiration und Gottesnähe".

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Diözese Innsbruck

  1. 800 Personen bei Nudelessen im Innsbrucker Dom
  2. Kirche in Tirol verwüstet – Polizei sucht Zeugen
  3. Laienseelsorger der Diözese Innsbruck führen ‚tröstende Salbung‘ durch
  4. LGBT-Popup Fenster auf der Internetseite der Katholischen Jugend Innsbruck
  5. Diözese Innsbruck: Seelsorgeräume statt Groß-Pfarren
  6. Innsbrucker Kirche soll in Zukunft auch als Kletterhalle genutzt werden
  7. Wieder Unmut über Fastentücher in Tirol und Wien
  8. ‚Bloody Mary’ – Frauenreferat der Diözese Innsbruck lädt zum ‚Zyklusstammtisch’ ein
  9. Regenbogenpastoral in der Diözese Innsbruck
  10. Drastische Nacktzeichnungen in katholischer Kapelle in Tirol ausgestellt







Top-15

meist-gelesen

  1. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  2. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  3. 'Putin ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr Christen zu töten als der ISIS'
  4. Der evangelischen Theologischen Hochschule Basel soll die Akkreditierung entzogen werden
  5. Über das Dämonische
  6. 'Kirche casht ab' - Immer weniger österreichische Katholiken, immer mehr Millionen!
  7. Wissen Sie, wer die Idee zum fünffarbigen Missionsrosenkranz hatte?
  8. 'Ich habe mich geirrt'
  9. Der Mensch als Mitarbeiter Gottes - Fortschritt ist kein Gottesersatz
  10. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  11. Der Katholik Tolkien wird in der anglikanischen Westminster Abbey ein Denkmal erhalten
  12. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  13. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  14. Was ich als Priester von Fulton Sheen gelernt habe
  15. Papst an Klausurschwestern: „Der Herr ruft euch, seine Zeuginnen in Stille, Kontemplation zu sein“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz