15 November 2019, 10:45
Das Logo unter der Lupe
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Deutsche Bischofskon'
Der Synodale Weg und sein Kreuzwegweiser. Gastkommentar von Peter Esser

Bonn (kath.net) In der Krypta des Würzburger Kiliansdoms findet man das sogenannte Merowingerkreuz, ein über tausend Jahre altes, schmuckloses Steinkreuz. Vor dem Schnittpunkt der Kreuzesbalken erhebt sich die halbplastische Darstellung des Kopfs eines bärtigen Mannes. Urtümlich und doch seltsam vertraut wirkt der Kopf; eine Darstellung Jesu als fränkischer Krieger mit groben Haarfransen, die ihm über die Stirn hängen, und dem rund geschnittenen Bart. Er blickt den Betrachter aus weit geöffneten Augen an, in den Zügen seines runden Gesichts liegt Frieden. »Am Kreuz zeigt uns Gott sein wahres Gesicht« war die Erklärung unseres Begleiters dazu vor vielen Jahren. Das hat sich mir eingeprägt. Aus dem Hinrichtungsinstrument wird das Heilszeichen Gottes. In der Begegnung mit dem Kreuz scheint auf, dass Gott uns »bis zur Vollendung geliebt hat«.

Werbung
christenverfolgung


Ein Zeitsprung von über tausend Jahren zeigt uns eine neue Kreuzesdarstellung. In einer Pressekonferenz stellen Kardinal Marx sowie Karin Kortmann und Thomas Sternberg als Vertreter des ZdK das Logo des Synodalen Wegs vor, dessen Bildmarke ebenfalls von der Form des Lateinischen Kreuzes abgeleitet ist.

Ein Logo ist ein Bild- oder auch ein Bild-Wortzeichen, das möglichst knapp für ein Unternehmen, eine Institution oder eine Veranstaltung seht. Das Zeichen soll eine Entsprechung zu dem Bezeichneten haben: Wer mit Konfetti und Luftschlangen für ein Bestattungsunternehmen wirbt, wird nur wenige Kunden finden.

Im Logo des Synodalen Wegs sehen wir ein graphisches Element (Bildmarke), und kombiniert dazu den Text (Wortmarke). Der Umriss eines lateinischen Kreuzes bildet die Bildmarke. Diese Umrisslinie ist mit einem Farbverlauf von Blau über Violett und Rot nach Orange gefüllt. Das rechte Ende des horizontalen Balkens bildet eine Spitze. Hier wird die Darstellung zum Vexierbild, das als sowohl als Kreuz und ebenso als Wegweiser verstanden werden kann mit dessen Spitze der Umriss endet. Die Form wird durch den Schriftzug »DER SYNODALE WEG« ergänzt. Die Wortmarke »Der Synodale Weg« unterstreicht den Eindruck von Fortentwicklung und Zukunftsorientierung, indem sie sie in Leserichtung ausflattert. Das Logo markiert eine Zäsur auf dem Zeitstrahl, von der aus es weitergeht.

Was vorher meist als »synodaler Weg« in der Diskussion war, erhält durch die Hinzufügung des bestimmten Artikels »DER« plötzlich so etwas wie Statik und Bestimmtheit. »DER« Synodale Weg ist nicht einfach ein Prozess, sondern eine Einrichtung. Er ist sogar »DER SYNODALE WEG« in Großbuchstaben. Oft wird sogar der Kirche, dem mystischen Leib Christi, dieses Identitätszeichen verweigert, wenn durch die Verwendung des Begriffs »Kirche« ohne bestimmten Artikel der Eindruck entsteht, als sei »Kirche« etwas, das man je neu aushandeln könne. Nichts ist beständig außer dem Wandel, scheint hier die Botschaft zu lauten.

Als ich das Logo zum ersten Mal sah, war der spontane Gedanke: »Da geht’s raus!« Ein Wegweiser ist nie selbst der Weg, weswegen Wegweiser auch gut sichtbar am Rand eines Weges angebracht werden und nie in seiner Mitte. Das Wegweiserkreuz ist nicht mehr Ziel, nicht mehr Weg, sondern Katalysator für eine Bewegung, die in einer ungewissen Entfernung, aber in einer bestimmten Richtung liegt. »Stat crux dum volvitur orbis« – Fest steht das Kreuz, während sich der Erdkreis dreht – ist zumindest nicht die Botschaft, die von dem dynamisierten »Kreuzwegweiser« ausgeht.

Die Farbwelt des Bildzeichens wurde von katholisch.de als »Regenbogenfarben« bezeichnet. Schon diese Assoziation, die mit modischen weltlichen Phantasien von Diversität und »Buntheit« befrachtet ist, könnte für einen innerkirchlichen Prozess eine Vorentscheidung zur Selbstsäkularisierung bedeuten. Die Auftraggeber vermeiden folgerichtig auch die Regenbogen-Deutung und weisen auf die Farben der Logos der Deutschen Bischofskonferenz und des ZdK hin. Aus diesen Farben soll sich das Logo zusammensetzen. Blau für das ZdK und Rot/Orange für die Bischofskonferenz. Damit wird jedoch der Synodale Weg für jemanden, der nicht gerade zur Bischofskonferenz gehört und sich nicht vom ZdK vertreten fühlt, zu einer Veranstaltung, von der er (zumindest vom Corporate Design her) ausgeschlossen bleibt. Vielleicht spricht sich in den kommenden Monaten bei Bischöfen und Funktionären herum, dass man damit viele Menschen nicht erfasst hat, die einfach nur so in die Kirche gehen, weil sie im Alltag Jesus Christus nachfolgen wollen, und die ihren Glauben auf Schrift und Tradition gründen.

Wenig kann mich zudem die Deutung der vier Farbbereiche als Darstellung der vier Foren überzeugen. Das klingt ganz nach einer nachträglichen Deutung.

So bleibt als naheliegende Assoziation zur Farbwelt doch der Regenbogen – allerdings ohne das Grün und in veränderter Anordnung. Mit dem Grün, das den Regenbogen vervollständigen würde, hat man leider auf die Farbe verzichtet, die symbolisch und in der Liturgie für die Hoffnung steht. Ich zünde ein Kerzchen dafür an, dass sich die Hoffnung auch ohne ihre Berücksichtigung im Logo wieder einstellt.

Ich werde wohl in den kommenden Monaten oft auf das Merowingerkreuz schauen. Der Kreuzwegweiser von ZdK und DBK bietet nichts von dem, was mir das Kreuz bedeutet. Es ist kein Kreuz, vor dem ich verweilen könnte. Klar, es ist ja auch nur ein Logo. – Aber es ist kein Kreuz, mit dem sich ein Gesicht verbindet. Es ist die Kreuzesvorstellung des Technokraten, der eine Richtung angeben will. Der Technokrat, der »Festmeter« denkt, wenn er »Baum« hört, und »Dezibel«, wenn es in seiner Krone rauscht. Ich wünsche mir statt dessen eine Kirche, die sich aus dem Staub von Schuld und Sünde erhebt und auch dann das Angesicht Gottes im Kreuz sucht, wenn alle sie dafür bespotten.

Peter Esser ist Illustrator und Grafik-Designer. Der praktizierende Katholik im Erzbistum Köln führt den Blog „Kephas“ und hat seinen Weg im Glauben bereits vor einiger Zeit in einem kath.net-Interview erläutert: „Ich erbitte von der Kirche in Deutschland für mich: Den Glauben“

Das Merowingerkreuz des Würzburger Kiliansdoms




Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Das neue enfant terrible der katholischen Kirche Österreichs? (148)

Woelki: „Demokratisierung des Glaubens wäre das Ende der Kirche“ (65)

Kurienkardinal meint: Greta Thunberg auf Linie der katholischen Lehre (42)

Polizeiaktion im Kloster der Franziskanerinnen in Langenlois (32)

Kurienkardinal Ouellet: Einer von drei Bischofskandidaten lehnt ab (25)

Der Herr tröstet und bestraft mit Zärtlichkeit (19)

„Ladenhüter“ Rosenkranz - oder junger christlicher Bookshop? (19)

Was ist normal? (19)

Vatikan: Nur mehr 10 Prozent des Peterspfennigs für soziale Projekte (18)

Weihnachtsmuffel schieben Muslime vor (15)

Abtreibungsärztin Kristina Hänel auch in Berufungsprozess schuldig (14)

„Ich habe meinen Schritt nie bereut“ (14)

Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch. (13)

23 Prozent der Bürger will an Weihnachten in den Gottesdienst (12)

Erzbistum Köln: Generalvikar distanziert sich von BDKJ-Kampagne (10)