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Judit. Eine bewundernswerte Jugend, ein großzügiger Lebensabend.

11. Mai 2022 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Franziskus: Judit ist keine Rentnerin, die ihre Leere melancholisch auslebt: sie ist eine leidenschaftliche ältere Frau, die die Zeit, die Gott ihr schenkt, mit Gaben füllt. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Nach Ablauf dieser Zeit kehrte jeder in seinen Erbbesitz zurück. Judit ging nach Betulia und blieb auf ihrem Anwesen. Solange sie lebte, war sie im ganzen Land hoch gerühmt. Viele hätten sie gern zur Frau gehabt; aber seit ihr Gatte Manasse gestorben und seinem Volk hinzugefügt worden war, wollte sie sich nicht wieder in ihrem Leben verheiraten. Sie erlebte ein sehr hohes Alter und wurde im Haus ihres Mannes hundertfünf Jahre alt. Ihrer Dienerin schenkte sie die Freiheit. Sie starb in Betulia und man bestattete sie in der Grabhöhle ihres Gatten Manasse. Das Haus Israel betrauerte sie sieben Tage lang. Vor ihrem Tod hatte sie noch ihren Besitz an alle Verwandten ihres Gatten Manasse und an die Angehörigen ihrer eigenen Familie verteilt“ (Judit 16,21-24).

Achtzehnte Generalaudienz des Jahres 2022 mit Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz. Papst Franziskus setzte seine Katechesenreihe zum Alter fort. Die neunte Katechese stand unter dem Thema: „Judith. Eine bewundernswerte Jugend, ein großzügigen Lebensabend“.

„Heute“, so der Papst, „werden wir über Judith sprechen, eine biblische Heldin. Der Schluss des Buches, das ihren Namen trägt, fasst den letzten Teil des Lebens dieser Frau zusammen, die Israel gegen seine Feinde verteidigte“.

Judit sei eine tugendhafte jüdische Witwe gewesen, die dank ihres Glaubens, ihrer Schönheit und ihrer Klugheit ihr Volk vor einem übermächtigen Feind gerettet habe.

Auch im hohen Alter erweise sie sich als Heldin: als „Heldin des Alltags“, die treu und tapfer den Herausforderungen des Lebens begegne.

Heute stelle sich ebenfalls die Frage, wie man den immer länger währenden letzten Lebensabschnitt sinnvoll nutze. Traditionell nehme die Mitbetreuung der Enkelkinder eine wichtige Stelle ein. Die umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte erforderten neue Wege auch im Blick auf das Miteinander der Generationen, die beherzt und kreativ zu beschreiten seien.

Denn: „ein gutes Miteinander bleibt wichtig, nicht zuletzt für die junge Generation“. Nirgends erlebe und erlerne sie besser die große Kraft der Zärtlichkeit sowie den Respekt gegenüber den Schwachen und Gebrechlichen. Die alten Menschen hätten Gutes und nicht nur Güter zu vererben.

Im hohen Alter noch entlasse Judit ihre Lieblingsmagd in die Freiheit. Das zeige, wie sie nun offenbar manches anders wahrnehme als früher. Der Blick scheine eher in die Tiefe zu gehen und erkenne manches, was einem früher entgangen sei. Der Herr beschenke nicht nur die Jungen und Starken mit seinen Gaben: „Lernen wir die besonderen Fähigkeiten der vielen älteren Menschen wertzuschätzen und nehmen wir diesen Reichtum dankbar an“.

Judit sei früh verwitwet und habe keine Kinder, „aber als ältere Frau konnte sie eine Zeit der Fülle und Gelassenheit erleben, in dem Wissen, dass sie die Mission, die der Herr ihr anvertraut hatte, in vollem Umfang gelebt hatte“. Für sie sei es an der Zeit, das gute Erbe der Weisheit, der Zärtlichkeit, der Gaben für die Familie und die Gemeinschaft zu hinterlassen: ein Vermächtnis des Guten also und nicht nur der Güter also.

Gerade in ihrem hohen Alter habe Judit also ihrer Lieblingsmagd die Freiheit geschenkt. Dies sei ein Zeichen für einen aufmerksamen und humanen Blick auf diejenigen, die ihr nahe stünden. Als alter Mensch „verliert man ein wenig an Sehkraft, aber der innere Blick wird durchdringender. Man wird fähig, Dinge zu sehen, die einem vorher entgangen sind“.

Der Herr vertraue seine Talente nicht nur den Jungen und Starken an: Er habe Talente für alle, die für jeden maßgeschneidert seien. Das Leben unserer Gemeinschaften müsse so die Talente und das Charisma so vieler älterer Menschen nutzen können, die bereits im Ruhestand seien, die aber einen Reichtum darstellten, den es zu nutzen gelte. Dies erfordere von den älteren Menschen selbst eine kreative und neue Aufmerksamkeit, eine großzügige Verfügbarkeit. Die früheren Fähigkeiten des aktiven Lebens verlören ihre Rolle als Zwang und würden zu Ressourcen des Gebens: lehren, beraten, aufbauen, pflegen, zuhören... Vorzugsweise zum Nutzen der am meisten Benachteiligten, die sich kein Lernen leisten könnten oder die ihrer Einsamkeit überlassen seien

Als junges Mädchen habe sie durch ihren Mut die Wertschätzung der Gemeinschaft gewinnen. In ihrem Alter „verdiente sie es für die Zärtlichkeit, mit der sie ihre Freiheit und Zuneigung bereicherte. Judit ist keine Rentnerin, die ihre Leere melancholisch auslebt: sie ist eine leidenschaftliche ältere Frau, die die Zeit, die Gott ihr schenkt, mit Gaben füllt“.

Die Pilger und Besucher sowie die Zuschauer und Zuhörer aus dem deutschen Sprachraum grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Herzlich grüße ich euch, liebe Pilger deutscher Sprache. Erneut möchte ich euch einladen, den Rosenkranz zu beten für den Frieden in der Welt. In den Freuden und in den Nöten unserer Zeit lasse der Herr uns seine Nähe erfahren.

 


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